Katarina Harjus Biographie und Manifest

Biographie

Katarina ist eine Schwedisch sprechende Finnin, die momentan an einem Abschluss in Informationstechnologie arbeitet. Zuvor war sie viele Jahre in der Buchhaltung tätig. Sie machte sich 2000 auf die Suche nach Fandom, nachdem sie in einem Magazin darüber gelesen hatte (und wird für immer dankbar dafür sein, dass sie in einem Moment der Langeweile ausgerechnet nach diesem griff). Sie hat Fanwerke für eine Vielzahl von Fandoms erschaffen, von denen viele auf ihrer Archive of Our Own – AO3 (Ein Eigenes Archiv)-Benutzerseite zu finden sind. Irgendwann auf diesem Weg verliebte sie sich in Podfics. Sie schreibt noch immer Fanfiction, nimmt Podfics auf und kreiert ab und zu fannische Handarbeiten, wenn auch nicht so oft wie sie gerne würde. Katarina verfolgte die Arbeit der OTW (Organisation für Transformative Werke) von Beginn an genau und begann sich 2013 als Mitglied des Übersetzungskomitees selbst zu beteiligen. Dort ist sie momentan Übersetzerin und freiwillige Mitarbeiterin. Sie verbrachte 2014 Zeit als Tagbändigerin und dient zur Zeit außerdem im AO3-Missbrauchskomitee.

Manifest

1. Warum haben Sie sich entschieden, für die Vorstandswahl anzutreten?

Während meines Einsatzes für die OTW sind mir die Ziele der OTW, meine Mit-Freiwilligen und die BenutzerInnen unserer Projekte sehr ans Herz gewachsen. Es gibt allerdings einige Bereiche in der Arbeitsweise der OTW, mit denen ich nicht zufrieden bin, inklusive einiger Aspekte der Arbeit des derzeitigen Vorstandes. Ich denke, dass ich den Bedürfnissen der oben genannten Gruppen am besten dienen kann, indem ich mich für den Vorstand zur Wahl stelle – so kann ich auch helfen, die Vorstandsarbeit auf diese Bedürfnisse abzustimmen. Ich habe die Entwicklung der OTW von Beginn an verfolgt und mir sind ihre Mission und ihre Projekte sehr wichtig. In den letzten zwei Jahren habe ich viele Komitees gedeihen, kooperieren und Fortschritte hinsichtlich ihrer Ziele machen sehen, während andere sich aufgrund schlechter Kommunikation und schlechter Leitung durch den Vorstand abrackerten. Mich freiwillig als Teil des Vorstandes zu melden, halte ich für den logischen Weg, um dabei zu helfen, diese Probleme zu lösen.

2. Welche Fähigkeiten und/oder Erfahrungen würden Sie in den Vorstand einbringen?

Ich habe professionelle Erfahrung in der Buchhaltung, und obwohl die Regularien sich unterscheiden, da die OTW ihren Sitz in den USA hat, sind die wesentlichen Elemente und die optimalen Verfahren der Buchhaltung und Bilanzierung doch die gleichen für die OTW wie für die Firmen, für die ich gearbeitet habe.

Als Teil der freiwilligen MitarbeiterInnen des Übersetzungskomitees habe ich praktische Erfahrung sowohl im Management als auch in der administrativen Arbeit. Das beinhaltet die Bearbeitung einer großen Anzahl E-Mails mit extrem vielfältigen Anfragen in kurzer Zeit, die Verwaltung der Aufgaben für unsere mehr als 150 freiwilligen HelferInnen, das Schreiben von Dokumentation und die Zusammenarbeit mit anderen Komitees. Ich habe Erfahrung in der Arbeit mit Menschen unterschiedlichster sozialer Herkunft und Kultur., sowohl in der OTW als auch im Offline-Leben, was eine exzellente Grundlage für die Arbeit im Vorstand einer so facettenreichen Organisation wie der OTW darstellt. Ich habe außerdem Erfahrung in der IT, und obwohl ich nie Teil der Gruppe war, die sicherstellt, dass das AO3 in Gang bleibt und immer besser wird, habe ich doch ein praktisches Verständis für das, was sie tut (und bin immens dankbar dafür).

3. Welche Ziele möchten Sie während Ihrer Amtszeit erreichen?

Ich würde gerne sehen, dass sich der Vorstand in eine Richtung entwickelt, in der er es nicht für nötig hält, am Alltagsgeschehen der Dinge beteiligt zu sein – einen Vorstand, der nicht bis ins kleinste kontrolliert und sich stattdessen auf Entscheidungen auf höchster Ebene konzentriert und Pläne macht, wie die Organisation ihre Mission erfüllen kann. Wenn die Beteiligung des Vorstandes doch einmal erforderlich ist, wie es manchmal der Fall ist, würde ich mein Bestes geben, um sicherzustellen, dass die Dinge glatt laufen und, noch wichtiger, schnell gehen, so dass die Arbeit der Komitees nicht unnötig verzögert wird.

Darüber hinaus würde ich gerne das Finanzkomitee in irgendeiner Form wieder eingesetzt sehen oder eine andere vernünftige Lösung dafür finden, wie unsere Finanzen verwaltet werden. Es erscheint nicht klug, all diese Arbeit auf die Schultern nur einer Person zu laden, wie es jetzt der Fall ist. Unabhängig von der Fähigkeit dieser Person, diese Arbeit zu schaffen, ist es einfach unverantwortlich, hinsichtlich der Verwaltung unserer Finanzen keine eingebaute Redundanz zu haben. Weil unsere Buchführung von nur einer einzigen Person verwaltet wird, die auch dafür verantwortlich ist, die Berichte für den Vorstand zu interpretieren (und sogar Teil des Vorstandes sein mag), gibt es keinen ausreichenden Überblick über die Finanzen und die Buchhaltung. Es gibt momentan keine interne oder externe Prüfung, weshalb es uns nicht möglich ist, ausreichend Verantwortlichkeit zu demonstrieren.

4. Was ist Ihre Erfahrung hinsichtlich der OTW-Projekte und wie würden Sie mit den relevanten Komitees zusammenarbeiten, um sie zu unterstützen und zu stärken? Schließen Sie bitte AO3, TWC, Fanlore, die Arbeit unserer Legal Advocacy (Rechtsvertretung) und Open Doors (Offene Türen) ein, aber fühlen Sie sich frei, bestimmte Gebiete zu betonen, an denen Sie besonders interessiert sind.

Ich war für einige Zeit Tagbändigerin und bin momentan Mitglied des AO3-Missbrauchskomitees. Ich bin auch eine AO3-Benutzerin, weshalb ich mehr praktische Erfahrung mit dem AO3 als mit anderen Projekten habe. Ich bin allerdings auch Mitglied des Übersetzungskomitees, das mit vielen der OTW-Projekte zusammenarbeit. Ich habe deshalb viele Gelegenheiten gehabt, mich mit ihrer Arbeit vertraut zu machen und mit den Komitees, die die Projekte möglich machen.

Insgesamt denke ich, ist es wichtig, dass der Vorstand zugänglich ist, und dass er in der Lage ist, durch offenen Dialog herauszufinden, was die Komitees benötigen, da die Komitees das selber am besten wissen. Dem Vorstand einen Vorschlag zu machen erscheint oft mehr als Hürde beim Erledigen von Dingen denn als Gelegenheit für Veränderung und nützliche Verbesserung von Plänen. Deshalb ist eine Sache, die ich für alle Projekte ändern möchte, so zugänglich wie möglich zu sein und meine Arbeit in angemessener Zeit zu erledigen.

Ich glaube, dass man den Komitees vertrauen sollte, dass sie die Arbeit, derer sie erwiesenermaßen fähig sind, ohne unnötige Einmischung erledigen. Für die, die Hilfe und Unterstützung benötigen, sollte diese angeboten aber nicht aufgezwungen werden. Wir sollten anderen Komitees zuhören, die ähnliche Probleme gelöst haben, lernen wie sie es geschafft haben und die, die noch damit kämpfen, ermutigen, es ihnen gleich zu tun. Der Vorstand kann nicht alles überall auf magische Weise in Ordnung bringen, aber er kann das Hintergrundwissen haben, um den Kontakt zwischen Personen herzustellen, die einander helfen können.

5. Wählen Sie zwei Punkte/Themen, von denen Sie annehmen, dass sie eine hohe Dringlichkeit für die OTW haben, sowohl in- als auch extern. Was bedeuten Ihnen diese Punkte und weshalb? Wie möchten Sie sie in Ihre Vorstandstätigkeit integrieren?

Während meiner beruflichen Karriere habe ich die Finanzen und Buchhaltung anderer Leute verwaltet und ich kann nicht anders als mich darauf zu fokussieren, wie die Finanzen der OTW momentan verwaltet werden. Es erscheint mir nicht ratsam, dass die gesamte Verantwortung auf einer einzelnen Person lastet. Was passiert, wenn uns diese Person, aus welchen Gründen auch immer, plötzlich nicht mehr zur Verfügung steht? Wir haben außerdem zur Zeit kein prospektives Budget, was ein wichtiger Bestandteil für die Zukunftsplanung /Planung ist und zur Festsetzung von Mittelbeschaffungszielen.

Und wenn wir beim Thema Finanzen sind – ich denke, wir sollten es auch in anderer Hinsicht überdenken, nämlich hinsichtlich unseres Mittelbeschaffung. Wir hatten mehrere sehr erfolgreiche Mitgliedschaftskampagnen (und wir sind allen unseren SpenderInnen sehr dankbar), aber Tatsache ist, dass der größte Teil dieses Geldes noch immer auf einem Konto liegt und für nichts verwendet wird. Wie können wir es rechtfertigen, unsere BenutzerInnen um mehr zu bitten, wenn wir das Geld, das sie bereits gespendet haben, nicht verwendet haben? Es gibt sinnvolle Dinge, die damit getan werden könnten, z.B. Vertragspartner zu bezahlen, die am AO3-Code oder der OTW-Website mitarbeiten, oder dafür zu sorgen, dass wir rechtzeitig in neue Server für unsere Projekte investieren. Falls uns keine guten Verwendungsmöglichkeiten für das vorhandene Geld einfallen, sollten wir das ehrlich sagen, wenn wir um weitere Spenden bitten.

6. Was glauben Sie sind die Schlüsselverantwortlichkeiten eines/des Vorstandes? Sind Sie vertraut mit den gesetzlichen Bestimmungen für den Vorstand einer gemeinnützigen Organisation in den USA?

Ich bin keine US-amerikanische Staatsbürgerin, aber ich bin mit den Anforderungen an in den USA angesiedelte Non-Profit-Organisationen vertraut und insbesondere mit den Verantwortlichkeiten dieses Vorstandes. Ich würde mich nicht um eine Position bewerben, wenn ich mich nicht zuvor so gut wie möglich über die Verantwortlichkeiten informiert hätte, die sie mit sich bringt. Ich denke, die wesentlichste rechtliche Anforderung ist Sorgfaltspflicht eines Geschäftsführers für die Organisation und ihre Mitglieder: darüber informiert zu sein, was in der Organisation geschieht, Entscheidungen im Sinne ihrer Interessen und ihrer Mission zu treffen

Ich halte es für die Verantwortung des Vorstandes, das große Ganze zu betrachten und die Organisation im Einklang mit ihren Zielen zu führen. Der Vorstand sollte nicht für die alltägliche Verwaltung der Dinge verantwortlich sein. Der Vorstand der OTW hielt es manchmal für nötig, auf einem detaillierten Level involviert zu sein, das nicht ideal ist. Gerade weil die interne Struktur der OTW nicht geeignet war für ein Wachstum im aktuellen Tempo, sollte eine solche Beteiligung, wenn sie denn geschieht, effizient gehandhabt werden: es muss sicher gestellt werden, dass die alltägliche Arbeit nicht behindert wird oder, wenn das nicht möglich ist, dass sie so bald wie möglich wieder aufgenommen werden kann.

Ich halte es außerdem für die Verantwortung des Vorstandes, so offen wie möglich über seine Arbeit zu sprechen. Zur Zeit geschieht vieles von dem, was der Vorstand macht, in Bereichen, die nur für Vorstandsmitglieder einsehbar sind selbst wenn es um Themen geht, für die eine solche Geheimhaltung wirklich nicht notwendig ist. Ein solcher Anschein von Heimlichkeit – so unbeabsichtigt er auch sein mag – ist etwas, das der Vorstand nach Möglichkeit ablegen sollte.

7. Wie würden Sie Ihre Vorstandstätigkeit mit anderen Rollen in der OTW in Einklang bringen oder inwieweit planen Sie, Ihre derzeitigen Rollen abzugeben, um sich auf die Vorstandsarbeit zu konzentrieren?

Ich diene zur Zeit als freiwillige Mitarbeiterin im Missbrauchs- und im Übersetzungskomitee. Ich bin dankbar dafür, in Komitees zu arbeiten, die so stabil sind dass ich weiß, ich kann von meinen Aufgaben zurücktreten, ohne den Rest des Teams zu sehr zu belasten. Ich weiß, dass sie meinen Teil der Arbeit übernehmen können, ohne dass nennenswerte Veränderungen nötig wären.

Im Übersetzungskomitee arbeite ich als freiwillige Mitarbeiterin, was eine eher verwaltende Tätigkeit ist, und als Übersetzerin. Falls ich gewählt werde, werde ich eine Position im Übersetzungskomitee behalten, weil ich die Arbeit sehr befriedigend finde. Das Gemeinschaftsgefühl, das ich dort erlebe, hilft mir außerdem, mich daran zu erinnern, warum die OTW so wichtig für mich ist. Ich fühle ähnliches für das Missbrauchskomitee, und ich schätze die Gelegenheit, mit AO3-BenutzerInnen zu interagieren und ihnen zu helfen, selbst wenn es häufig delikate und wenig glückliche Umstände sind. Ich würde ungern eine dieser Positionen aufgeben; falls sich aber herausstellen sollte, dass die Vorstandsarbeit mich zu sehr in Anspruch nimmt, um in beiden Komitees bleiben zu können, würde ich es in Betracht ziehen, mich aus dem Missbrauchsteam zurück zu ziehen.