Alex Tischers Biographie und Manifest

Biographie

Dr. Alex Tischer: Tierarzt für Notfall & Intensivmedizin. Aufgewachsen in Deutschland und lebt zur Zeit in Großbritannien. Ist seit vor der Jahrhundertwende im Fandom unterwegs und hat mehr Fandoms durchwandert, als hier gelistet werden können. Unter den jüngsten Rivers of London, Person of Interest und Mad Max: Fury Road. Seit 2008 fast dauerhaft Mitglied der OTW (Organisation für Transformative Werke), immer auch in irgendeiner Form aktiv am Helfen. Ist abgesehen von Medien-Fandoms auch durch Zufall in der seltsamen und wunderbaren Welt des Sports gelandet – wo es kleine Gruppen gibt, die Fandoms auf überraschende Art und Weise ähneln. Wenn nicht gerade kranke Tiere zu behandeln sind, trifft man Alex fast so oft in Geländeparcours, beim Klettern und beim Traillauf wie beim Konsumieren von Medien.

Manifest

1. Warum haben Sie sich entschieden, für die Vorstandswahl anzutreten?

Der aktuelle Vorstand ist auf einige strukturelle und interne Probleme gestoßen, die er bis jetzt noch nicht auf zufriedenstellende Art und Weise lösen konnte. Im Gegenteil, er wirft diese Probleme innerhalb seiner vielen Interaktionen mit unseren Komitees auf den Rest der Organisation zurück. Es herrscht ein Mangel an Vision, Kommunikation und Prioritäten, den ich beunruhigend finde. Einige Komitees sind so überlastet mit ihrer eigenen Dokumentation und Pflichten in den Abläufen, dass sie keine konstanten Fortschritte in ihren alltäglichen Aufgaben erreichen, geschweige denn Ziele für ihre Zukunft definieren können. Anstatt Komitees zu stärken, sucht der Vorstand nach Wegen, die Situation zu verschlimmern.

Wir leiden noch immer an einer hohen Fluktuation unter den freiwilligen HelferInnen und an ernsten organisationsweiten strukturellen Problemen wie einer soliden finanziellen Aufsicht, die nicht darauf basiert, dass eine einzige Person unsere gesamte Buchführung macht. Ich glaube, dass ich als Teil des Vorstands verlässliche Veränderungen anbieten und umsetzen könnte, die über Prozedere-Veränderungen um ihrer selbst willen hinausgehen und es uns erlauben, tatsächlich einen Schritt in die Zukunft zu tun, statt immer wieder das Rad neu zu erfinden.

2. Welche Fähigkeiten und/oder Erfahrungen würden Sie in den Vorstand einbringen?

Im Laufe der Jahre bin ich in einer Reihe von Organisationen und Komitees aktives Mitglied gewesen. Ich habe dort in zahlreichen Funktionen gedient, vom Schatzmeister einer Studentenvereinigung bis hin zum Mitglied des Internet- und des Gesundheits- und Sicherheitskomitees meiner professionellen Organisationen. All diese Erfahrungen haben mir eine Menge darüber beigebracht, Menschen zu führen – ich erinnere mich an die Zeit, in der ich für die Dienstpläne von 40+ klinischen Doktoranden und/oder Praktikanten verantwortlich war. Sie haben es mir außerdem ermöglicht zu lernen, wie man eine Aufgabe auf verschiedene Art und Weise angehen kann und wie man kreative Lösungen für ein Problem findet. Ich glaube, dass der Vorstand einen ernsthaften Mangel an diesen Fähigkeiten aufweist und ich möchte diese Lücke füllen.

Was meine Geschichte als Teil der OTW betrifft: Ich bin vor mehr als einem Jahr freiwilliger Mitarbeiter des Übersetzungskomitees geworden und war sechs Jahre lang Teil von verschiedenen anderen Komitees. Das hat es mir erlaubt, die Herausforderungen, denen wir täglich gegenüber stehen, direkt zu erleben und, soweit es mir möglich war, daran mitzuarbeiten, einige von ihnen zu lösen. Es war mir dadurch außerdem der Kontakt zu unseren anderen Komitees möglich, wodurch ich einen Eindruck ihrer Ambitionen für die Zukunft aber auch der Grenzen des für sie Möglichen erhalten habe. Ich würde die Vision mitbringen, die der Vorstand so dringend nötig hat und gleichzeitig das Wissen darüber, wie unsere größten Komitees funktionieren und gedeihen.

Der Vorstand leidet außerdem unter regelmäßigen Kommunikationsproblemen mit unseren freiwilligen MitarbeiterInnen, freiwilligen HelferInnen und den Komiteevorsitzenden. Direkte und effiziente Kommunikation ist etwas, das ich bei meiner Arbeit als Tierarzt und im Übersetzungskomitee (mit seinen 170+ freiwilligen HelferInnen) gelernt habe. Ich bin sicher, dass ich dazu beitragen kann, eine gute Arbeitsumgebung in der Organisation zu fördern.

3. Welche Ziele möchten Sie während Ihrer Amtszeit erreichen?

Wenn ich bis zum Ende meiner Amtszeit der Organisation zu einer etwas offeneren Kommunikation verhelfen und die Abschottung der Komitees wenigstens etwas aufbrechen könnte, wäre das für mich ein Sieg. Wir müssen wirklich mehr Transparenz und Kooperation innerhalb der Organisation anstreben, um unseren BenutzerInnen das zu geben, was sie verdienen: eine gut geölte Maschine, die all ihre Energie darauf fokussieren kann, ihre Projekte zu verbessern, anstatt ihre Kraft bei internen Kabbeleien verpuffen zu lassen.

Wenn wir von großen Träumen sprechen, dann wären weit oben auf meiner Liste bessere Rahmenbedingungen, um den Projekten der OTW angemessene Unterstützung zu bieten. Das Fachzeitschriftenkomitee zum Beispiel ist eine Gruppe, die bisher weitestgehend sich selbst überlassen worden ist. Sie erhalten wenn nötig Unterstützung vom Vorstand, können aber ansonsten ihre eigenen Entscheidungen treffen. Sie hatten minimale Fluktuationen in den letzten fünf Jahren und bringen in diesem September ihre zwanzigste Ausgabe heraus. Obwohl nicht jedes Komitee so selbstständig sein kann oder sollte, ist das Fachzeitschriftenkomitee doch ein Beispiel dafür, wie der Vorstand ein Komitee konstruktiv unterstützen kann, indem er ihm vertraut.

Ein weiteres Beispiel ist das Archive of Our Own – AO3 (Ein Eigenes Archiv): Hinsichtlich der OTW tendierte der Vorstand aus mir unverständlichen Gründen dazu, das AO3 aus dem Fokus zu verlieren. In Anbetracht der Tatsache, wie wichtig uns allen dieses Projekt ist, erscheint es nur natürlich, ihm die best mögliche Pflege und Förderung zu geben. Mir wäre es besonders wichtig, einen Teil der Aufmerksamkeit der Verwaltung wieder darauf zu lenken, so dass wir unserem kleinen Team an freiwilligen Codern die Mittel geben können, das AO3 noch weiter zu verbessern und sie nie wieder aufgrund fehlender Werkzeuge oder finanzieller Mittel darum kämpfen lassen zu müssen, es am Laufen zu halten.

4. Was ist Ihre Erfahrung hinsichtlich der OTW-Projekte und wie würden Sie mit den relevanten Komitees zusammenarbeiten, um sie zu unterstützen und zu stärken? Schließen Sie bitte AO3, TWC, Fanlore, die Arbeit unserer Legal Advocacy (Rechtsvertretung) und Open Doors (Offene Türen) ein, aber fühlen Sie sich frei, bestimmte Gebiete zu betonen, an denen Sie besonders interessiert sind.

Ich trat der OTW 2008 bei, habe also die OTW und ihre Komitees seit der Gründung begleitet. Im Laufe der Jahre habe ich in einer Reihe von Komitees geholfen: Als Tester, Bändiger, freiwilliger Mitarbeiter im Support und als Übersetzer. In letzter Zeit hat es mir meine Arbeit als freiwilliger Mitarbeiter des Übersetzungskomitees erlaubt zu lernen, wie man mit den meisten der aktuellen Komitees interagiert, um ihnen den Support zu bieten, den sie benötigen. Gleichzeitig habe ich mehr über ihren individuellen Stil und ihre Atmosphäre lernen können. Ich habe festgestellt, dass klares Kommunizieren, schnellstmögliches Beantworten von E-Mails und generell Offenheit und Flexibilität für verschiedene Möglichkeiten Schlüsselanforderungen sind. Die Art und Weise wie wir an die jeweiligen Komitees herantreten, muss auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sein: Die Kooperation mit der Rechtsabteilung ist notwendigerweise anders als die Arbeit mit dem Fachzeitschriftenkomitee, genauso wie Fanlore und Open Doors ihre ganz eigenen Herausforderungen mit sich bringen.

Die Komitees sind sich normalerweise ihrer Stärken und Schwächen bewusst und ich halte es für wichtig, Hilfe nicht von oben aufdrücken zu wollen. Wir müssen ganz im Gegenteil sicherstellen, dass die angebotene Zusammenarbeit und Unterstützung auch erwünscht und benötigt wird. Natürlich benötigen wir mehr zwischenmenschlichen Kontakt als pro forma Dokumentation, um das einschätzen zu können. In dieser Hinsicht sehen unsere Aussichten für eine produktive Zukunft ziemlich düster aus.

Es wäre besonders schwierig für mich, eins unserer Projekte hervorzuheben, da sie alle spezifische und essentielle Bedürfnisse im Fandom bedienen. Es freut mich, sie alle gedeihen zu sehen und ich werde weiterhin mein Bestes tun, um die mir mögliche Hilfe für die Komitees zu geben, die sie fördern. Mitglied des Vorstandes zu sein würde mich einfach in eine bessere Position bringen, um für alle mehr tun zu können und gleichzeitig einige unmittelbare Probleme wie das Fehlen gegenseitigen Respektes und Verständnisses in ihrer Beziehung zum Vorstand zu lösen.

5. Wählen Sie zwei Punkte/Themen, von denen Sie annehmen, dass sie eine hohe Dringlichkeit für die OTW haben, sowohl in- als auch extern. Was bedeuten Ihnen diese Punkte und weshalb? Wie möchten Sie sie in Ihre Vorstandstätigkeit integrieren?

Ich denke, unsere administrativen Strukturen zu klären sollte eine Priorität sein. Es ist bezeichnend, dass wir keine funktionierende Abteilung für unsere Finanzen haben. Das ist für die Organisation nach außen eine Peinlichkeit und intern ein ständiger Quell der Sorge. Die Tatsache, dass Leute bereit sind, für unsere Organisation zu spenden, obwohl es kein verlässliches Finanzenkomitee oder Betriebsprüfungsstrukturen gibt, unterstreicht die Wichtigkeit und Nützlichkeit unserer Projekte. Es wäre aber unverantwortlich, uns weiterhin nur auf das Vertrauen unserer BenutzerInnen in unser Wohlwollen zu verlassen; wir schulden ihnen mehr als das. Die momentane administrative Architektur wird nur durch schiere Willenskraft zusammengehalten und dank des standhaften Engagements einiger unserer aktiven Komitee-Vorsitzenden, freiwilligen MitarbeiterInnen und freiwilligen HelferInnen. Das mindeste was wir tun können, um ihre Dienste zurückzuzahlen ist, Cross-Komitee-Prozesse zu modernisieren und die administrativen Belastungen der den BenutzerInnen dienenden Komitees zu verringern. Das würde es uns erlauben, unsere Fluktuationen an freiwilligen HelferInnen zu reduzieren, unsere Produktionsprozesse zu glätten und die vermehrte Veröffentlichung von Inhalten und neuen Features zum Genuss unserer BenutzerInnen zu fördern.

Ein stärker nach außen gerichtetes Ziel wäre es, an unserer Internationalisierung zu arbeiten. Das ist für mich eins der wichtigsten Ziele der OTW – Fans auf der ganzen Welt in ihrer Leidenschaft für Fandom zu verbinden. All unsere Projekte zu übersetzen und die Resourcen zu erwerben, unser Legal Advocacy (Rechtsvertretung)-Projekt außerhalb der Vereinigten Staaten aufrechtzuerhalten sind wunderbare Ziele. Mit unseren momentanen Beschränkungen können wir sie aber nicht erreichen und bis jetzt haben die Lösungen, die der Vorstand eingebracht hat, nicht geholfen. Alle Internationalisierungsüberlegungen in ein Komitee oder eine Arbeitsgruppe zu stecken, die große Ambitionen aber nicht die nötigen Mittel haben sie zu erreichen, bringt keinen Nutzen. Ich möchte den Fokus unserer Strategie in dieser Hinsicht verrücken und stattdessen jedem Komitee die Freiheit geben, in diesen Punkten effizient zu arbeiten.

6. Was glauben Sie sind die Schlüsselverantwortlichkeiten eines/des Vorstandes? Sind Sie vertraut mit den gesetzlichen Bestimmungen für den Vorstand einer gemeinnützigen Organisation in den USA?

Ja, selbstverständlich sind mir die rechtlichen Anforderungen bekannt. Es wäre sehr unklug, sich für den Vorstand zur Wahl zu stellen, ohne die nötigen Dokumentationen und Gesetzestexte gelesen zu haben!

Abgesehen von rechtlichen Pflichten sehe ich die Schlüsselverantwortung des Vorstandes darin, einen operationalen Überblick über die OTW zu haben. Es sind die Vorstandsvorsitzenden, die dafür verantwortlich sind, finanzielle Grenzen und strategische Ziele im Hinterkopf zu behalten, während sie unsere Komitees beaufsichtigen und ihnen die benötigte Unterstützung bieten. Sie müssen die Vision der Organisation sein, aber auch ihre treibende Kraft.

Konkret bedeutet das, dass Vorstandsmitglieder zu Meetings erscheinen sollten – und zwar pünktlich. Sie müssen E-Mails zeitnah beantworten und gute Beziehungen zu unseren professionellen Partnern (sowohl zu anderen Organisationen, als auch zu allen Firmen, mit denen wir Verträge abgeschlossen haben – wir sollten zum Beispiel unsere Rechnungen rechtzeitig bezahlen) und auch zu unseren freiwilligen HelferInnen pflegen. Sie müssen hinsichtlich der neuesten großen Entwicklungen in allen unseren Komitees auf dem Laufenden bleiben, aber nicht so involviert sein, dass sie unsere Langzeitziele aus den Augen verlieren. Zu guter Letzt sollten sie sicherstellen, dass sie für ihre Arbeit verantwortlich sind, da sie das einzige wirkliche Fenster sind, das unseren BenutzerInnen Einblick in die arbeitenden Mitglieder unserer Organisation gibt. Das heißt, dass Vorstandsmitglieder Transparenz und Ehrlichkeit anstreben und konstante Anstrengungen unternehmen müssen, ihre Arbeit, Diskussionen und Entscheidungsfindungen offener für die Mitglieder und die freiwilligen HelferInnen der OTW zu gestalten.

7. Wie würden Sie Ihre Vorstandstätigkeit mit anderen Rollen in der OTW in Einklang bringen oder inwieweit planen Sie, Ihre derzeitigen Rollen abzugeben, um sich auf die Vorstandsarbeit zu konzentrieren?

Ich bin generell effizient und gut darin, meine Zeit zu managen. Daher sehe ich überhaupt keinen Grund, meine aktuellen Positionen in den Übersetzungs- und Supportkomitees abzugeben, falls ich in den Vorstand gewählt werde. Im Laufe der Jahre habe ich einen produktiven Weg gefunden, meine Zeit auf meine täglichen Aufgaben und mehr aufzuteilen und sie zu erfüllen. Ich schaffe es momentan, mein berufliches und privates Leben mit meiner Arbeit in den OTW-Komitees ohne jegliche Schwierigkeiten zu vereinen. Es wäre überhaupt kein Problem, meinem Zeitplan eine feste Zeitspanne für die Vorstandsarbeit hinzuzufügen, inklusive eines großzügigen Puffers, um unerwartete und dringende Aufgaben zu erledigen.

Es läuft alles auf gute Organisationsfähigkeiten hinaus und, ganz im Ernst, was wäre ich für ein Vorstandsmitglied, wenn ich nicht mal ein wenig Zeitplanung im Griff hätte? Das scheint das absolut erforderliche Minimum zu sein, um das Ruder einer internationalen Organisation in den Händen zu halten, da der Umgang mit Zeitzonen und einschränkenden Zeitplänen Alltag für jeden von uns ist.